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Schwabach

Neue Freunde, alte Stolpersteine

Schwabach - Neue Freunde, alte Stolpersteine
Governor Heiner Winkler steckte den neuen Freundinnen und Freunden des frisch gecharterten RC Schwabach die rotarische Nadel an. © Patrick Shaw (alle Fotos)

Seit der Wende war Schwabach „rotarisches Niemandsland“. Jetzt gibt es auch dort einen Club. Eine überfällige, aber nicht ganz einfache Geburt.

Patrick Shaw01.09.2019

Eigentlich sollte es überhaupt keine Frage sein, ob sich Rotarier über neue Freunde und die Weiterverbreitung der Idee vom selbstlosen Dienen freuen. Doch Neugründungen waren bei Rotary schon immer ein Minenfeld. Der neue Club könnte den Nachbarn die Mitglieder wegnehmen oder gar erfolgreicher werden als der eigene. Und überhaupt sei Qualität doch wichtiger als Quantität, heißt es da – wobei der eigene Club natürlich den Maßstab setzt.

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Gründungsbeauftragter Wolfgang Kanzler vom RC Roth brachte den neuen Schwabacher Club binnen weniger als einem halben Jahr auf den Weg. 
© Patrick Shaw

Schwierige Vorgeschichte
So denken heute freilich nur noch wenige, sodass die Charter des neuen Schwabacher Clubs ein reines rotarisches Freudenfest hätte sein können – gäbe es da nicht eine lange Vorgeschichte. Diese beginnt mit der Distriktfrage. Seit Jahrzehnten versuchten Governors und Präsidenten der Nachbarclubs immer wieder erfolglos zu klären, ob die 40.000-Einwohner-Stadt nun zum Distrikt 1880 oder 1950 gehöre. Dass dies nun laut dem RI-Büro in Zürich plötzlich doch ganz klar sein sollte, irritierte diejenigen, die sich an der Frage bislang die Zähne ausgebissen hatten.

Dazu kam, dass die Nachbarclubs erst von den Plänen erfuhren, als es bereits um Gründungsversammlung und Patenschaften ging. Dies mag ein Versehen oder der Versuch gewesen sein, der erwähnten „Wachstumsskepsis“ vorauseilend vorzubeugen – es sorgte auf jeden Fall für Ärger und machte viele klärende Gespräche nötig. Dass die Gründungsinitiative nicht von einem bestehenden Club ausging, sondern von engagierten Nichtrotariern und dem Distrikt, war ebenfalls ein durchaus gewolltes, aber für manch Traditionalisten ungewohntes Novum.

Mit Nachbarn gefeiert
Der Unwille der Übergangenen richtete sich dennoch explizit nicht gegen die neuen rotarischen Freunde in Schwabach. Und so waren bei der festlichen Charterfeier des 67. Clubs im Distrikt 1950 auch sämtliche Nachbarclubs mit Delegationen vertreten. Die Charterurkunde überreichte der neue Governor Heiner Winker an Präsident Jan Helmer. "Wir kommen zusammen, um die Welt ein klein wenig besser zu machen", erklärte dieser. 

Ein Großteil der Vorarbeit geht auf das Konto des Gründungsbeauftragten Wolfgang Kanzler vom RC Roth. Er blickte auf die rekordverdächtig kurze Gründungsphase von nur fünf Monaten zurück und betonte, dass der neue Club dem zu Jahresbeginn verstorbenen Governor Ulrich Berger sowie seinem Vorgänger und Interims-Nachfolger Helmut Lanfermann "eine echte Herzensangelegenheit" gewesen sei. Zusammen mit den 28 neuen Rotariern, darunter acht Frauen, habe der Distrikt 1950 nun endlich die Marke von 3000 Mitgliedern geknackt. 

Gute Tat zum Start
Als erste gute Tat des Schwabacher Clubs überreichten Präsident Helmer und Hilfswerk-Vorsitzende Christine Roch der örtlichen Elterninitiative krebskranker Kinder einen Scheck über 3.000 Euro. Das humorige Schlusswort hatte Kabarettist Christoph Maul als "Wilder Markgraf".

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Die frisch aufgenommenen Mitglieder des neuen RC Schwabach. © Patrick Shaw
Patrick Shaw
Patrick Shaw, Jahrgang 1975, war von 1997 bis 2001 Offizieranwärter der Bundeswehr, von 2001 bis 2016 Volontär und Redakteur der Nürnberger Nachrichten und ist seit 2017 Redakteur des NN-Heimatverlags Treuchtlinger Kurier. Er war Gründungsmitglied und Präsident des Rotaract Clubs Weißenburg, 2005/06 Rotaract-Distriktsprecher sowie von 2007 bis 2013 Assistant Governor und Rotaract-Beauftragter im Distrikt 1950. Von 2008 bis 2010 betreute er redaktionell den Mitgliederbrief der German Rotary Volunteer Doctors. Seit 2007 ist er Mitglied des Rotary Clubs Roth und war dort 2015/16 Präsident. Das Amt des Distrikt-Berichterstatters übt er seit 2016 aus.