Polio-Ausbruch - Impfungen in Syrien gestartet

© Rotary International

29.10.2013

Polio-Ausbruch 

Impfungen in Syrien gestartet

Matthias Schütt

Das vom Bürgerkrieg erschütterte Syrien verzeichnet erstmals seit 1999 wieder Erkrankungen an Kinderlähmung. Deswegen haben Gesundheitsbehörden in Syrien und benachbarten Ländern dringende, großangelegt Impfkampagnen gestartet, teilte Bob Scott, Vorsitzender des PolioPlus Committees von Rotary International.

Allein in Syrien werden in den nächsten Wochen 1,6 Millionen Kinder unter fünf Jahren auf allen Seiten des Konflikts gegen Polio geimpft. Die Impfkampagne in Syrien war eigentlich für November geplant, ist jedoch nun vorgezogen worden. Das teilte Unicef mit. Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen ist neben Rotary, der WHO und den US-Gesundheitsbehörden Teil der Global Polio Eradication Initiative (GPEI), die gegen die Kinderlähmung kämpft. Unicef bei der Logistik, stellt mehrere Millionen Dosen Impfstoff zur Verfügung und impft Flüchtlingskinder in den Camps und Notunterkünften. Rotary und seien arbeiten derzeit mit lokalen Gesundheitsbehörden zusammen verstärkt daran, dass die Impfaktivitäten durchgeführt werden können.

In den vergangen Tagen hatte die GPEI berichtet, dass das Virus bei zehn von 22 Verdachtsfällen in der an den Irak grenzenden Provinz Deir al-Sor zum Ausbruch der unheilbaren Krankheit geführt hat.  Woher die Viren stammen, sei bisher nicht bekannt. Viele syrische Familien müssen laut Unicef unter beengten und unhygienischen Bedingungen leben, in denen sich Krankheiten besonders schnell verbreiten. Insgesamt seien mehr als drei Millionen Kinder in Syrien auf Hilfe angewiesen, rund zwei Millionen Mädchen und Jungen seien aus ihren Häusern vertrieben worden. Mehr als eine Million Flüchtlingskinder seien in den Nachbarländern untergekommen.

Zusammenbruch des Gesundheitssystems

Wie Unicef berichtet, ist das Gesundheitssystem in Syrien als Folge des mehr als zwei Jahre währenden Konflikts nahezu zusammengebrochen. 60 Prozent der Krankenhäuser und ein Drittel der Gesundheitszentren wurden zerstört oder beschädigt. Zahlreiche Krankenschwestern und Ärzte sind geflohen. Viele Gebiete sind für Hilfsorganisationen aufgrund der Kämpfe zeitweise nicht zu erreichen.

In diesem Jahr sind bereits mehr als eine Million Kinder in Syrien gegen Polio sowie Masern, Mumps und Röteln geimpft worden, so Unicef.  „Aber mindestens 500.000 Kinder in Syrien haben wegen des Konflikts keinen Impfschutz erhalten. Wir arbeiten mit Hochdruck daran, die Kinder auch in den schwer zugänglichen Orten zu erreichen“, sagte UNICEF-Exekutivdirektor Anthony Lake bei dem Besuch eines Gesundheitszentrums in Damaskus. „Nachdem Fälle von Polio zum ersten Mal seit 1999 in Syrien wieder aufgetreten sind, hat der Schutz vor Kinderlähmung und anderen gefährlichen Krankheiten nicht nur dringende Priorität für alle Kinder in Syrien, sondern auch für die gesamte Welt.

Das Robert Koch-Institut (RKI) hat laut Spiegel Online nun davor gewarnt, dass das Poliovirus nach Deutschland kommt. "Das gilt es zu vermeiden. Wichtig ist, bei Einreisenden aus betroffenen Ländern den Impfstatus zu überprüfen und gegebenenfalls zu impfen", sagte RKI-Präsident Reinhard Burger den "Ruhr Nachrichten".

Auch in den syrischen Nachbarländern Jordanien, Libanon, Irak, Türkei und Ägypten haben breite Impfkampagnen bereits begonnen oder werden gerade vorbereitet – auch mithilfe des Engagement Rotarys. Rotary Clubs in Ägypten und das dortige Gesundheitsministerium unterstützen die Aktivitäten und klären verstärkt über die Impfkampagnen auf. Rotary Jordanien hat zusammen mit dem Polioplus-Komitee den Gesundheitsminister besucht, um ihre Unterstützung für die nationale Impfkampagne gegen Masern, Röteln und Polio in dieser Woche. Außerdem haben Rotarier Spenden zur Verfügung gestellt,. Damit kann die Ausrüstung finanziert werden, die benötigt wird, um noch mehr Kinder vor Ort zu impfen und Familien. Um über die Nötigkeit der Impfung wurden große „End Polio Now“-Plakate in Amman aufgestellt.

Rotary hilft bei Impfeinsätzen im Libanon

Rotary Clubs im Libanon haben sich mit dem Gesundheitsministeriums, der WHO und Unicef zusammengetan, um dabei zu helfen, Kinder unter fünf Jahren zu impfen. Rotarier vor Ort wollen zudem Aufklärung in ihren Gemeinden betreiben und sich als ehrenamtliche Helfer bei den Impfeinsätzen engagieren.

In der Türkei ist Rotary dabei eine Spezial-Komitee zu gründen. Außerdem gibt es Annäherung an das Gesundheitsministeriums. In Bulgarien arbeiten Rotarier mit dem Roten Kreuz zusammen. Gemeinsam sammeln sie Essen, Babynahrung für syrische Flüchtlinge. Am Weltpoliotag verteilen Rotarier und Rotaracter Flyer, um über Polio aufzuklären.

„Wir wissen, dass, so lange Polio in einigen Ländern vorkommt, es immer wieder zu Ausbrüchen kommen kann“, teilt Bob Scott mit. Das sei auch der Grund dafür, dass der Fortschritt der in den drei Ländern, in denen Polio noch vorkommt (Afghanistan, Pakistan und Nigeria), geschafft worden ist, ein Ansporn sein sollte. „Die Polio-Fälle in den betroffenen Ländern sind im Vergleich zum Vorjahr um 40 Prozent zurückgegangen. Wir als Rotarier, werden unentwegt unseren Kampf für eine Welt ohne Kinderlähmung fortführen.“

Die Rotarierin und Berliner Journalistin Barbara Groth, die für Rotary International seit Jahren mit dem Thema Polio befasst ist, betont die Notwendigkeit, die Impfungen in Polio-endemischen wie Polio-gefährdeten Ländern fortzuführen: „Das Beispiel Syrien zeigt, wie unsicher der Status ‚Polio-frei’ ist, solange es auf der Welt noch Polio-endemische Gebiete gibt." Da man immer wieder mit Konflikten in Krisengebieten rechnen müsse, sei es umso wichtiger die Kinder in den drei restlichen Polio-endemischen Ländern Afghanistan, Pakistan und Nigeria jetzt zu impfen, so Groth weiter. "Und zwar weil von dort immer wieder Viren in bereits Polio-freie Länder entweichen können. Das kann auch Europa und Deutschland treffen.“

Das Polio-Virus wird durch Tröpfchen übertragen und kann innerhalb weniger Stunden in Gehirn und Rückenmark gelangen. Es kann zum Tod oder schweren lebenslangen Behinderungen führen.

 

Matthias Schütt

Matthias Schütt ist selbständiger Journalist und Lektor. Von 1994 bis 2008 war er Mitglied der Redaktion des Rotary Magazins, die letzten sieben Jahre als verantwortlicher Redakteur. Seither ist er rotarischer Korrespondent des Rotary Magazins und seit 2006 außerdem Distriktberichterstatter für den Distrikt 1940.

 

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