Stolpersteine werden wieder sichtbar

Wie Austauschschüler in Magdeburg mehr über deutsche Geschichte erfuhren und selbst Hand anlegten – gegen das Vergessen
Rotary-Austauschschüler des Distrikts 1800 haben in Magdeburg Stolpersteine gegen das Vergessen gereinigt. Mit dabei war Governor Michael Koch, der seine Eindrücke schildert:
„Verwittert, stumpf, unscheinbar: So präsentierten sich mehr als 30 Stolpersteine der Zirkusfamilie Blumenfeld in der Alten Neustadt von Magdeburg, Walther-Rathenau-Straße, vor dem nicht mehr vorhandenen Wohnhaus der seit 1810 in Magdeburg ansässigen Familie. Sie stehen für die engste Familie und weitere Familienmitglieder – entrechtet, verfolgt, verschleppt und ermordet in der Schoah.

Beinahe 50 junge Leute aus aller Welt, die Inbounds des aktuellen Jahres im Distrikt 1800, versammelten sich – begleitet von ihren Betreuerinnen und Betreuern von Rotex 1800, dem Verein der ehemaligen Rotary-Austauschschüler –, im Rahmen ihrer Welcome Week, um in einer gemeinsamen Aktion in der Öffentlichkeit diese Stolpersteine zu putzen. Diese Aktivität, mit der wir in Deutschland immer wieder an die dunkelsten Jahre der deutschen Vergangenheit erinnern, ist ein sehr wichtiger Bestandteil der Erinnerungskultur unseres Landes. Und damit ein zentraler Teil des rotarischen Engagements für die Stärkung und die Vermittlung unserer demokratischen Kultur in Deutschland.
Nach meiner persönlichen Begrüßung der jungen Menschen, in der ich die Einordnung dieser Aktion in den historischen Zusammenhang herstellen konnte, folgten zusätzliche detaillierte Informationen der Rotexer zur Familie Blumenfeld und den seinerzeitigen Geschehnissen mit schrecklichen Erinnerungen. Simon Ambroselli als amtierender Präsident von Rotex 1800 sagte, die Putzaktion stelle eine Möglichkeit dar, den Jugendlichen die historische Verantwortung Deutschlands zu vermitteln. Gesagt, getan: Mit Wasser, Reinigungsmitteln und Tüchern – auf den Knien, mit Sorgfalt und mit Energie – machten sich unsere internationalen Gäste und wir alle an die Arbeit.

Schon 90 Minuten später war es vollbracht. Die Stolpersteine der Familie Blumenfeld leuchten nun wieder. Sie scheinen wieder hell und bringen glänzendes Licht in die Geschichte dieser Menschen, deren Leben und Schicksal wir immer erinnern wollen. Die jungen Menschen aus allen Kontinenten waren sehr zufrieden mit dem sichtbaren Ergebnis ihrer Arbeit – besonders aber nachdenklich und emotional berührt über das Erlebte und unseren Weg in Deutschland, diese Erinnerung immer wieder wach und bewusst zu halten. ‘Es ist eine gute Idee von Rotary, uns diesen Teil der deutschen Geschichte auf diese Weise näher zu bringen’, sagte der 17-jährige Marko aus Estland. Und Gabriele aus Italien fasste es so zusammen: ‘Es ist wichtig, sich daran zu erinnern, was in der Vergangenheit geschehen ist.’”































