Porträt: Gerhard Strate, RC Hamburg-Lombardsbrücke - Zwischen Recht und gerecht

15.01.2011

Porträt: Gerhard Strate, RC Hamburg-Lombardsbrücke

Zwischen Recht und gerecht

Matthias Schütt

Die Vier-Fragen-Probe, Rotarys ethische Leitlinie, kann man auch ganz anders formulieren, zum Beispiel so: „Vertrauen zu schenken, wo es verweigert wird, Mitgefühl zu entfalten, wo die Gefühle erstorben sind, Zweifel zu säen, wo sie keiner mehr hat, und Hoffnung zu pflanzen, wo sie längst verflogen ist.“
So fasst Gerhard Strate, einer der bekanntesten deutschen Strafverteidiger, zusammen, wie er seine Aufgabe gegenüber einem Mandanten definiert. Die Formulierung klingt ziemlich emotional für das harte Geschäft vor Gericht, in dem strategisches Kalkül, nüchterne Präzision und Ausnutzung aller prozessual zulässigen Tricks zum Erfolg führen. Dass er diese Klaviatur beherrscht, ist keine Frage, und doch merkt man im Gespräch schnell, dass dieser Rechtsanwalt bei aller professionellen Brillanz einem ganz urtümlichen Trieb folgt: Er will schlicht und einfach Gerechtigkeit.

Nun weiß selbst der Laie, dass Recht haben und Recht bekommen verschiedene Dinge sind, aber Strate geht wie selbstverständlich davon aus, dass sie zusammengehören. Das erklärt das Engagement des Revisionsspezialisten in aussichtslos erscheinenden Fällen, sein Eintreten für Angeklagte, mit denen sich andere lieber nicht abgeben – mutmaßliche Sexualtäter, Kindermörder, Terroristen –, und sein Beharren darauf, dass unsere Gesetze für alle gleichermaßen gelten und Rechtsprechung nicht nach Gutdünken erfolgen darf. Daraus erklären sich auch seine rund 300 Verfassungsbeschwerden, von denen eine ganze Reihe Erfolg hatte. Grundsätzlich geht es darum, so Strate, „die Freiheitsgarantien unserer Verfassung gegen ihre schleichende Aufzehrung durch tagespolitischen Opportunismus sowohl aufseiten der Justiz als auch aufseiten des Gesetzgebers zu verteidigen“.  

„Quälgeist“, „Revisionsterrier“, „Berufsquerulant“ – das sind die Orden, die man sich auf dieser Bühne erwirbt. Doch damit kann er gut leben, seine Erfolgsquote gibt ihm ebenso Recht wie das Urteil der Wissenschaft. Der  Ehrendoktor der Universität Rostock wurde ihm verliehen, weil er als Praktiker wesentliche Impulse zur Weiterentwicklung der Strafrechtstheorie gegeben hat. Nicht zufällig ist Strate auch der einzige Nicht-Wissenschaftler im Verfassungsrechts-Ausschuss der Bundesrechtsanwaltskammer.
Wenn man den Kunstfreund und Goethe-Liebhaber nach seinen Hobbys fragt, gelangt man über Marathon und Bogenschießen schnell wieder zur Justiz: Als „Hobby“ jedenfalls bezeichnet Strate seine Anzeigen gegen führende Manager der HSH Nordbank, die mit atemberaubenden Finanzgeschäften die ehemalige Landesbank ruiniert haben. Monatelang hat er sich „in der Freizeit“ in die Tiefen des Wirtschaftsstrafrechts gegraben und damit die Staatsanwaltschaft auf Trab gebracht. Die Erfolgsaussichten sind ungewiss: Zwar wird man den Managern Vorsatz kaum nachweisen können, andererseits sei das fehlende Risikomanagement durchaus strafrechtlich relevant.

Hier spricht der Staatsbürger Strate, der sich immer wieder in öffentliche Angelegenheiten einmischt. Zum Beispiel in die Behandlung von Migranten. Aus der anwaltlichen Betreuung von Asylsuchenden ging einst die Gründung des „Informationsbriefs Ausländerrecht“ hervor, den Strate auch nach 25 Jahren noch maßgeblich gestaltet. Der Zeitaufwand spielt für den Staranwalt dabei keine Rolle, es geht ums Prinzip: Erst in der Behandlung seiner schwächsten Glieder zeigt sich die Qualität des Rechtsstaats.

Erschienen in Rotary Magazin 1/2011

Matthias Schütt

Matthias Schütt ist selbständiger Journalist und Lektor. Von 1994 bis 2008 war er Mitglied der Redaktion des Rotary Magazins, die letzten sieben Jahre als verantwortlicher Redakteur. Seither ist er rotarischer Korrespondent des Rotary Magazins und seit 2006 außerdem Distriktberichterstatter für den Distrikt 1940.

 

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