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Halbjahrestreffen der Präsidenten:

Erster unter Freunden

Halbjahrestreffen der Präsidenten: - Erster unter Freunden
Mit der Mitgliedergewinnung beschäftigte sich ein Workshop unter der Leitung von Peter Kadow und Michaela Fischer. © Patrick Shaw

Erfahrungsaustausch von Clubpräsidenten beim Halbjahrestreffen: Einen Club zu leiten ist Last und Lust zugleich. Die Herausforderungen haben sich aber stark gewandelt.

Patrick Shaw01.03.2018

„Ist der Präsident pünktlich, ist er ein Tyrann; duldet er Verzögerung, ist er zu tolerant. Ist er standhaft, nimmt er die Sache zu ernst; akzeptiert er Alternativen, ist er unentschlossen. Macht er alles selbst, ist er arrogant: delegiert er, ist er faul.“ Auch wenn Governor Helmut Lanfermann sicher etwas überzeichnet, es ist schon etwas dran an dieser Aufzählung.

Solche und andere Erfahrungen tauschten mehr als 50 Clubpräsidenten aus dem Distrikt 1950 bei ihrem Halbjahrestreffen im unterfränkischen Hösbach aus. Wobei das Positive überwog: „Präsident zu sein ist viel mehr bereichernd als anstrengend“, meinten viele der Clubchefs. Die Unterstützung sei groß, und je älter der Club, desto routinierter der Ablauf.

Zu kämpfen haben die Clubs nach wie vor mit der Mitgliedergewinnung. „Das Problem haben aber fast alle Vereine“, hieß es im von Peter Kadow geleiteten Workshop. Bedeutender als die gemeinnützige Seite Rotarys sei bei der Nachwuchssuche erfahrungsgemäß der Aspekte der Freundschaft und des Miteinanders von Menschen ganz unterschiedlicher Couleur.

Die größte Hürde ist heute nicht mehr das elitäre Image Rotarys, sondern die Scheu vor Verbindlichkeit in einer immer hektischeren Arbeits- und Alltagswelt. „Früher waren viele Meetings in der Mittagspause“, führten die Workshop-Teilnehmer an. „Aber wer hat denn heute noch eine Pause?“ Auch das Abmeldeverhalten werde immer laxer. Die Kunst sei es, „Bewährtes beizubehalten, aber alte Zöpfe abzuschneiden“, so Governor Helmut Lanfermann, der insbesondere für die Aufnahme von jungen Leuten und Frauen warb.

Ist dies geglückt, muss aber auch das Clubleben stimmen. Unverzichtbar sei eine faire Diskussionskultur ohne „Diktat der Alphatiere“, waren sich die Teilnehmer des entsprechenden Workshops um Bernd Meidel einig. Hilfreich seien zudem Angebote für oder sogar die Aufnahme von (Ehe-)Partnern.

Governor elect Ulrich Berger machte beim Halbjahrestreffen Lust auf den Blick in die rotarische Welt über den Tellerrand des Clubs hinaus.
Governor elect Ulrich Berger machte beim Halbjahrestreffen Lust auf den Blick in die rotarische Welt über den Tellerrand des Clubs hinaus.

Erfolg kann man kopieren
Bei der Suche nach Spendern und Medienecho führen meist drei Faktoren zum Erfolg: konkrete Projekte, Regionalität und Hands-On. Das wurde im Workshop von Heribert Trunk deutlich. Clubs mit wenig Unternehmern in ihren Reihen tun sich allerdings deutlich schwerer. Bei der Projektwahl gelte: „Gut kopiert ist besser als schlecht selbstgemacht!“

Die Ressourcen des Distrikts und von Rotary International zu nutzen, riet schließlich Daniela Singer. Allerdings sei die Vielzahl der Plattformen recht verwirrend. Für den Wissenstransfer empfehle sich eine langfristige Nachfolgeplanung – durchaus bis zu fünf Jahre. Dann sollte auch niemand mehr in die Verlegenheit kommen, das Präsidentenamt ablehnen zu müssen.

 

Patrick Shaw
Patrick Shaw, Jahrgang 1975, war von 1997 bis 2001 Offizieranwärter der Bundeswehr, von 2001 bis 2016 Volontär und Redakteur der Nürnberger Nachrichten und ist seit 2017 Redakteur des NN-Heimatverlags Treuchtlinger Kurier. Er war Gründungsmitglied und Präsident des Rotaract Clubs Weißenburg, 2005/06 Rotaract-Distriktsprecher sowie von 2007 bis 2013 Assistant Governor und Rotaract-Beauftragter im Distrikt 1950. Von 2008 bis 2010 betreute er redaktionell den Mitgliederbrief der German Rotary Volunteer Doctors. Seit 2007 ist er Mitglied des Rotary Clubs Roth und war dort 2015/16 Präsident. Das Amt des Distrikt-Berichterstatters übt er seit 2016 aus.