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Sanya Yuu/Tansania

Hilfe zur Selbsthilfe am Kilimanjaro

Sanya Yuu/Tansania - Hilfe zur Selbsthilfe am Kilimanjaro
Einweihung der Zisterne an der Magnificat Schule © R. Schmitz

Der RC Kronberg "kümmert" sich gemeinsam mit seinen Nachbarclubs seit elf Jahren intensiv um ein "Health Center".

Christian Kaiser06.12.2019

Nach einer Reise mit Mitgliedern seiner Kronberger Pfarrgemeinde im Jahr 2008 berichtete Bernd Ilbertz (RC Kronberg) in seinem Club eindrucksvoll über Probleme und Nöte einer Krankenstation am Fuße des Kilimanjaro. Betreiber des "Charlotte-Health-Center" (CHC) ist der Orden der Holy-Spirit-Sisters, der afrikanischen Schwestern, der sein Mutterhaus in der Nähe von Kronberg hat.

Seitdem "kümmert" sich der RC Kronberg um das CHC, medizinische Anlaufstelle für über 200.000 Menschen. Von Anfang an mit dabei sind die Nachbarclubs Bad Soden-Königstein (Taunus), Bad Homburg vor der Höhe, Kelkheim, Oberursel, Hofheim Main-Taunus und Eschborn. Begonnen wurde mit den "Basics", der Sanierung und Erweiterung der Trinkwasser- und Stromversorgung. Es folgte der Aufbau eines für afrikanische Verhältnisse hochmodernen OP-Saals. Um passend hierzu zeitnah konsiliarischen Rat zu ermöglichen, wurde das CHC unter Leitung von Chefarzt a.D. Prof. Dr. Peter Josef Klein (RC Kronberg) telemedizinisch ausgerüstet. Jetzt können Problemfälle in der Radiologie und Pathologie mit Spezialisten weltweit diskutiert werden.

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Dr. Stoll behandelt einen Patienten in der von ihm gegründeten Dental Abteilung © R. Crux

Parallel dazu wurde vom Zahnmediziner Dr. Rainer Stoll (RC Kronberg) über einen Zeitraum von zehn Jahren zusammen mit einem befreundeten Techniker eine Dental Station aufgebaut. Der Weg dahin war lang und beschwerlich: unzählige Aufenthalte vor Ort, Überwinden bürokratischer Hindernisse, Einwerben von Geld- und vor allem auch Sachspenden. Doch die Anstrengungen haben sich gelohnt. Heute verfügt die Station über mehrere digital vernetzte, modern ausgestattete Behandlungsräume und ein Zahnlabor.  

Gleichzeitig wurden Schwestern ausgebildet für Zahnbehandlung und Labor. Auch in anderen Bereichen wird in Aus- und Weiterbildung investiert - so werden aktuell acht Schwestern zum "Medical Officer" weitergebildet. Die Ausbildungskosten für vier Schwestern werden durch Patenschaften von Rotariern des RC Kronberg finanziert. Die anderen vier aus Mitteln des RC Kronberg, einem District Grant und Geburtstagsspenden. Gleichzeitig hat der RC Kronberg 50 Prozent des Gehaltes eines lokal angestellten Arztes für zwei Jahre übernommen.

Letztes großes Bauprojekt, initiiert von Andreas Klug (RC Kronberg), war eine Zisterne für die Magnificat Schule, die mit Unterstützung von mehreren Clubs und in Zusammenarbeit mit dem RC Marangu realisiert wurde. Die feierliche Einweihung war Anlass für eine Clubreise der Kronberger Rotarier. Von dem kürzlich überraschend verstorbenen rotarischen Freund Dr. Jens Stechl wurde ein Verbrennungsarbeitsplatz konzipiert, der nach Einweihung im kommenden Jahr seinen Namen tragen wird.

Über 50 Prozent des inzwischen auf 600.000 Euro aufgelaufenen Investitionsvolumens gehen auf Eigeninitiativen und Sachspenden zurück. Zuletzt ging im Frühjahr 2019 ein Container mit 20 Krankenhausbetten und Ausrüstung für die Zahnklinik nach Tansania. Für 2020 ist ein weiterer Container mit Betten, Verbandsmaterial, Waschmaschine und diversen medizinischen Ausrüstungen geplant. Auch diese Containerfracht wird von einem Rotarier übernommen, der sich durch die Initiative begeistern ließ.

Inzwischen hat auch die IT Einzug gehalten. Über 30 Notebooks wurden von Ioanis Flokos (RC Kronberg) beschafft. Die IT-Ausbildung der Schwestern wurde von Hans-Peter Preyer (RC Kronberg) gemeinsam mit drei Mitarbeitern während mehrerer Aufenthalte vor Ort übernommen – mit dem Ergebnis, dass jetzt auch die gesamte Verwaltung des Charlotte Health Centers über eine mit der nationalen Krankenversicherung kompatible Abrechnungssoftware erfolgen kann, die wiederum von Rotarier Flokos beschafft wurde.

Um die dauerhafte Anstellung eines Arztes aus Eigenmitteln sicherzustellen, wurde ein Fond mit einem (gespendeten) Startkapital von 7.500 Euro eingerichtet, der zur Vorfinanzierung von Krankenversicherungsbeiträgen für bedürftige Familien verwendet wird. Der säumige Patient oder seine Angehörigen haben dann die Möglichkeit, den Kredit durch Erntehilfe auf der Farm wieder abzuarbeiten. Um ein "Austrocknen" des Fonds zu verhindern, werden wohl auch zukünftig Mittel für den Fond eingeworben werden müssen.

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 Der Pfarrer, die  Schwestern, der RC Marangu und die Besucher aus Deutschland bei der Einweihung © R. Schmitz

Nächstes großes Projekt ist die weitere Verbesserung der Stromversorgung, um die sich Christof von Branconi (RC Kronberg) kümmert. Nach Stabilisierung der Versorgung an wichtigen Stellen (OP-Saal) durch automatisiertes Umschalten auf andere Quellen bei Stromausfall ist die Versorgung für die gesamte Einrichtung weiter zu optimieren. Angesichts des dafür zu erwartenden hohen Finanzbedarfs, sind erst einmal Studien erforderlich, denn hier ist man wohl wieder auf die Unterstützung weiterer Clubs und rotarische Fördergelder angewiesen.

Angesprochen auf die nächsten Schritte nennen Bernd Ilbertz und sein inzwischen mit den Verhältnissen bestens vertrauter Stellvertreter Rolf Crux (beide RC Kronberg) unter anderem folgende Aufgaben: die Ausstattung eines zweiten Operationssaales und die Anschaffung eines Krankenwagens mit Allrad-Antrieb, um auch Patienten aus dem angrenzenden Massai-Gebiet versorgen zu können. Auf die Frage, wie lange Tansania noch den Club beschäftigen werde, nennen beide keine Zahl. Sie verweisen aber darauf, dass aktuell kein Grund besteht, aus einem florierenden Projekt auszusteigen, in dem der Mitteleinsatz des RC Kronberg achtfach gehebelt werden kann.

"Die Schwesternschaft lässt sich von unseren Initiativen und Standards 'leiten'. Sie übernehmen Schritt für Schritt Verantwortung und Eigeninitiative und steigern damit spürbar das Niveau der Gesundheitsversorgung der umliegenden Bevölkerung durch steigende Fallzahlen und schaffen außerdem neue Arbeitsplätze für externe Mitarbeiter im Charlotte Health-Center. Unser Ansatz zielt klar auf 'Hilfe zur Selbsthilfe'."