Hans-Gerd Klais, RC Bonn-Rheinbrücke  - Eine Werkstatt für die Königin

In der Restaurierungswerkstatt: Hans-Gerd Klais vor dem Prospekt der Teschemacher-Orgel vom Schnütgen-Museum Köln

14.03.2014

Hans-Gerd Klais, RC Bonn-Rheinbrücke  

Eine Werkstatt für die Königin

Matthias Schütt

Hans-Gerd Klais wurde 1930 in Bonn geboren. Er ist verheiratet und hat drei Kinder. Sohn Philipp, Jahrgang 1967, ist seit 1995 Leiter der Werkstatt.

Das Holzlager lässt eher an eine Tischlerei denken als an den Geburtsort der „Königin der Instrumente“. So hat Mozart die Orgel genannt, und den Orgelbauer damit quasi geadelt. Und doch ist Tischlerei nicht falsch, denn „ein Orgelbauer muss zunächst einmal ein guter Schreiner sein“. Das sagt Hans-Gerd Klais, Seniorchef der Johannes Klais Orgelbau GmbH & Co. KG, die seit 1882 mitten in Bonn ihre Werkstatt hat. Ein Familienunternehmen und eine weltweit anerkannte Orgel-Dynastie: Seit 1995 führt sein Sohn Philipp (RC Bonn Süd-Bad Godesberg) in vierter Generation die Orgelbauwerkstatt mit 65 Mitarbeitern.
 Ein Handwerk also wie jedes andere? Nicht ganz. „Hören muss der Orgelbauer können, hinhören und zuhören“, sagt der 83-Jährige. Und dann kommen noch ein paar Eigenschaften, die über das Handwerkliche hinausreichen. Orgelbauen verlangt künstlerisches Gespür für die architektonische Gestaltung des Prospektes und die musikalische Intonation der Orgel im jeweiligen Raum – ob Kirche oder Konzertsaal. Dazu kommt das Einfühlungsvermögen gegenüber Organisten, Architekten und Denkmal­schützern. Und das Wissen um die Geheimnisse einer Tradition, die bis in die Antike zurückreicht.

Nehmen wir nur das Holz: 480 Eichenstämme lagern bei Klais, rund 40 werden im Jahr verbaut. Das Holz stammt aus heimischen Wäldern und wird nur bei abnehmendem Mond geschlagen. Denn dann enthält es am wenigsten Wasser und damit keine Nährstoffe. Das hält die Holzwürmer fern. Ein guter Orgelbauer, so Hans-Gerd Klais, kennt seine Förster persönlich.

Unter einem Dach
Eine ganz andere Tradition liegt in der Tatsache, dass eine Orgel, die aus rund 20.000 Teilen besteht, in Gänze an diesem einen Ort hergestellt wird. In den Werkstätten für Windladen, Spieltische, Gehäuse und in der Gießerei, wo Zinn und Blei für die Pfeifen in Platten gegossen werden.
Diese Traditionen im Allgemeinen und der Familie Klais im Besonderen, in der Philipp Benjamin (24) schon auf die fünfte Generation vorausweist, spiegelt das Haus in der Kölnstraße 148, das der Gründer Johannes 1882 erbaute. Alle Nachkommen haben bisher unter diesem Dach gewohnt und gearbeitet. „Ich bin in der Werkstatt groß geworden, wie mein Sohn und mein Enkel auch. Das war schon die entscheidende Ausbildung.“ Hans-Gerd Klais musste 1955 sein Studium aufgeben, als sein Vater Hans schwer erkrankte. Mit der Übernahme der Werkstattleitung ging eine konzeptionelle Neuausrichtung einher: Während sein Vater die elektrische Orgel favorisiert hatte, setzte er wieder auf Mechanik. Dazu nutzte er auch Tropenhölzer für bestimmte Konstruktionsteile. Sohn Philipp indes setzt auf einheimische Hölzer wie Eiche, Birnbaum und Fichte.

Das sind weitreichende Entscheidungen, denn eine Orgel zu bauen ist eine Aufgabe oft über mehrere Jahre. Die Schwalbennest-Orgel im Kölner Dom übergab er seinem Sohn, der dann zwei Jahre in die Ausführung investierte. Klais-Orgeln stehen in allen Erdteilen, die aktuellen Aufträge reichen von der Elbphilharmonie in Hamburg bis zu Konzertorgeln in China und Argentinien. Das Auftragsbuch verzeichnete 2011 genau 1878 Orgeln seit Gründung des Hauses. Auf die Frage, welches denn sein schönstes Projekt gewesen sei, gibt Hans-Gerd Klais eine Antwort, in der noch einmal die Hingabe an diesen besonderen Beruf deutlich wird: „Sie fragen mich doch auch nicht, welches meiner drei Kinder mir das liebste ist!“.

Erschienen in Rotary Magazin 3/2014

Matthias Schütt

Matthias Schütt ist selbständiger Journalist und Lektor. Von 1994 bis 2008 war er Mitglied der Redaktion des Rotary Magazins, die letzten sieben Jahre als verantwortlicher Redakteur. Seither ist er rotarischer Korrespondent des Rotary Magazins und seit 2006 außerdem Distriktberichterstatter für den Distrikt 1940.

 

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