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Ein enormer Anstieg der Anträge im zweiten Jahr bestätigt die hohe Akzeptanz des neuen Grant-Systems

Global Grants finden große Zustimmung

Ein enormer Anstieg der Anträge im zweiten Jahr bestätigt  die hohe Akzeptanz des neuen Grant-Systems - Global Grants finden große Zustimmung
Eine Schule in Nepal: Der Verein Schülerhilfe für Nepal setzt sich für Bildungschancen der Kinder ein.

Die Rotary Foundation hat sechs Schwerpunktbereiche definiert, in denen Club- und Distriktprojekte finanziell gefördert werden können. Damit soll das Serviceprofil der Organisation ge­schärft werden – auch zur Vereinfachung der Suche nach internationalen Partnerorganisationen

Matthias Schütt01.09.2015

Mehr als 90 Prozent der befragten Rotarier, die seit 2013 ein Global Grant beantragt haben, geben dem neuen Zuwendungsmodell gute oder hervorragende Noten. Das berichtete The Rotarian in der Juli-Ausgabe. Dem entspricht ein enormer Anstieg in der Nachfrage nach Global Grants im zweiten Jahr nach Einführung des Future Vision Plans.

Ziel: Nachhaltigkeit

Zur Erinnerung: Das alte Fördersystem der Matching Grants war 2013 ausgelaufen. Seither gibt es für Rotarier, die Projekte mit Mitteln der Rotary Foundation finanzieren wollen, neben den eigenverantwortlich verwalteten District Grants vor allem die neuen Global Grants. Für sie gelten zwei Grundbedingungen: Der Mindesteinsatz des oder der Clubs muss 15.000 US-Dollar betragen und Finanzmittel können nur für Projekte aus den sechs Schwerpunktbereichen be­willigt werden.

Hintergrund der Reform war der Wunsch, das Antragsverfahren zu vereinfachen und die Spenden Rotarys auf die wichtigsten humanitären Aufgaben zu konzentrieren. Dabei wurde von Anfang an auf Nachhaltigkeit besonderer Wert gelegt.

Dieser Aspekt steht denn auch im Fokus der kleinen Zwischenbilanz, die an einigen Beispielen die Wirkmöglichkeiten des neuen Grant-Modells aufzeigt. Ein Vocational Training Team aus den USA, das im westafrikanischen Liberia in 26 Dörfern Multiplikatoren über die Wartung von Brunnen und über Grundlagen der Hygiene aufklärte, erfuhr nach dem späteren Ausbruch der Ebola-Epidemie, dass genau diese Region verschont blieb. „Der Unterrichtsschwerpunkt Händewaschen hat mit Sicherheit dazu beigetragen“, zitiert das Blatt Team-Mitglied David Pittman (RC Oroville, USA). Ein Beispiel mit deutscher Beteiligung ist ein Jugendchor in Visiko bei Sarajevo (Bosnien-Herzegowina), in dem die Clubs Koblenz-Deutsches Eck und Sarajevo 40 Jugendliche der verschiedenen ethnischen Gruppen zusammenbrachten. Sie treten nicht nur in Konzerten auf, sondern absolvieren auch Workshops etwa zur Konfliktprävention. Der Chor wird in Zukunft auch mit EU-Mitteln gefördert.

Viele Fallstricke

Trotz positiver Erfahrungen gibt es viele Fallstricke. Unter dem Titel „Hard-won Lessons“ trägt The Rotarian in einem weiteren Beitrag einige markante Beispiele zusammen. Warum Projekte schiefgehen, kann viele Ursachen haben, etwa unzureichende Kommunikation oder fehlende Kenntnisse der echten Bedürfnisse vor Ort. „Die westliche Ungeduld“ hat eine Rotarierin als Fehlerquelle ausgemacht. Ihr Projekt zielte auf eine Wasserversorgung in Guatemala, die Frauen das stundenlange Wasserschleppen ersparen sollte. Marilyn Fitzgerald (RC Traverse City/USA) weiß heute, dass ihr Eingriff fatale Folgen für die soziale Gemeinschaft im Dorf hatte: „Die Frauen waren keineswegs so begeistert wie die Rotarier. Sie haben immer Wasser geschleppt, das war ihr anerkannter Beitrag, der jetzt wegfiel. Für sie ein Verlust.“ Fitzgerald schließt daraus, dass Projekte in fremden Kulturen von Anfang an mit den Nutznießern gemeinsam geplant werden müssen. Ein weiterer Kardinalfehler sei es, Projekte zu eng auf ein Problem auszurichten, statt von einem Gesamtbild auszugehen. Ein Beispiel war ein Schulprojekt für Kinder, zu dem parallel ein Mikrokreditprojekt für die Eltern entwickelt wurde. Damit blieben die Eltern nicht hinter ihren Kindern zurück, sondern waren ebenfalls Nutznießer eines Bildungsprojekts.


 Checkliste der Rotary Foundation für nachhaltige Projekte:

  • Gründliche Erarbeitung der tatsächlichen Bedürfnisse im Projektgebiet
  • Einbeziehung der lokalen Bevölkerung in die Beschaffung von Ausstattung und Produkten; Training zur Bewirtschaftung und Wartung von Anlagen
  • Lokale Finanzierungsquellen aufbauen bzw. einbinden
  • Training & Teaching von neuen Nutznießern sicherstellen; dazu mit lokalen Einrichtungen zusammenarbeiten
  • Überführung der Projektanlage in die Verantwortung lokaler Ansprechpartner
  • Daten systematisch erfassen, um die Folgewirkung des Projekts über mindestens drei Jahre zu dokumentieren

 Mehr unter: www.rotary.org

 

Matthias Schütt

Matthias Schütt ist selbständiger Journalist und Lektor. Von 1994 bis 2008 war er Mitglied der Redaktion des Rotary Magazins, die letzten sieben Jahre als verantwortlicher Redakteur. Seither ist er rotarischer Korrespondent des Rotary Magazins und seit 2006 außerdem Distriktberichterstatter für den Distrikt 1940.