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Der RDG betreut soziale Projekte

Prioritäten statt Gießkanne

Der RDG betreut soziale Projekte - Prioritäten statt Gießkanne
Beim Kinderwerk Lima bekommen Jugendliche eine Ausbildung, hier z. B. in der Metallwerkstatt. Unterstützung liefert der RC Ludwigsburg. © Kinderwerk Lima e.V

Soziale Projekte im In- und Ausland begleitet und betreut der Rotary Deutschland Gemeindienst e.V. (RDG). Erfolgreiche Projektideen bieten sich zur Nachahmung an.

Sybe Visser01.08.2016

Am wichtigsten ist die Gestaltung von Projekten. Idee, Konzeption und Durchführung lassen sich dabei aber nicht immer wie geplant umsetzen. Kooperationen mit Organisationen, die über die notwendige Expertise verfügen, können helfen, Unsicherheiten zu vermeiden und die Qualität zu steigern.

Übertragbare Strukturen
Ein Großteil der Rotary Clubs initiiert soziale Projekte im In- und Ausland. Dabei ist wichtig, die Grenzen der eigenen Leistungsfähigkeit zu erkennen und zu akzeptieren. Schon allein um die eigenen Ressourcen zu schonen, können erfolgreiche Projektideen kopiert beziehungsweise an eigene Vorhaben angepasst werden.

Gerade auf der lokalen Ebene gibt es viele Projekte, die inhaltlich von Fachgruppen aufgebaut wurden und auch in andere Städte übertragbar sind, wie das Projekt „Lesen lernen – Leben lernen“ (kurz „LLLL“ oder „4L“) . Als Bildungsprojekt wurde es 2003 von PDG Helmut Falter und der Inner Wheelerin Monika Schröder ins Leben gerufen.

„4L“ basiert auf der Idee, dass Rotary Clubs Grundschülern eine pädagogisch wertvolle Unterhaltungs­lektüre schenken, die unterrichtsbegleitend gelesen wird. Das inhaltliche Erfassen des Textes steht dabei im Vordergrund. 360 Rotary und 40 Inner Wheel Clubs haben bisher an diesem Projekt teilgenommen.

Ein Beispiel dafür, wie mit einer bewährten Projektstruktur auf eine neue Situation flexibel reagiert werden kann, ist die Erweiterung von „4L“ um die Unterstützung von Flüchtlingen.

Ein weiteres Bildungsprojekt mit übertragbaren Strukturen ist „Sprache verbindet“. Dabei werden Oberstufenschüler als „Sprach-Scouts“ in Migrantenfamilien vermittelt, deren Kinder kein oder nicht ausreichendes Deutsch sprechen. Nach Absprache mit den Eltern nehmen die Scouts Verbindung mit Erziehern und Lehrern auf und vereinbaren die Lerninhalte. Sie werden regelmäßig durch pädagogisches Fachpersonal geschult und von Rotariern als Paten betreut. „Sprache verbindet“ wurde vor gut 14 Jahren von Jürgen Schwerter (RC Iserlohn-Waldstadt) ins Leben gerufen und seitdem von fast 70 Rotary Clubs in Deutschland übernommen.

Projekte mit Partnern
Gute Ideen alleine reichen jedoch nicht aus. Fehlt im Club die not­wendige Fachkompetenz, wird es schwieriger, das Vorhaben in die Tat umzusetzen. Hier ist der Kontakt zu Organisationen zu empfehlen, die sich mit dem Thema bereits beschäftigen und vielleicht sogar über Projektskizzen verfügen.

Den RC Ludwigsburg verbindet etwa seit 2005 mit dem Kinderwerk Lima e.V. eine enge Kooperation, die bereits eine Erfolgsgeschichte von elf durchgeführten Matching- oder Global-Grant-Projekten vorzuweisen hat. Schulen wurden mit Mobiliar, Computern, Sportgeräten, beruflichen Ausbildungswerkstätten und Küchen ausgerüstet. Zahnarztpraxen konnten ebenfalls gefördert werden. Mit finanziellen Zuschüssen des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und der Foundation wurden drei Schulbauprojekte realisiert.

Privates ExpertenwisseN rotarisch einsetzen
Auch ohne eigenes Projekt können Rotarier ihr Wissen ehrenamtlich einbringen. Als Ansprechpartner sei hier unter anderem der Senior Expert Service (SES) genannt, der als „Teil“ des Bundesministeriums für internationale Zusammenarbeit weltweit tätig ist. Als Entsendeorganisation für Fach- und Führungskräfte im Ruhestand setzt sich der Service seit 1983 für bürgerschaftliches Engagement in der Entwicklungszusammenarbeit ein. Rund 10.000 Expert(inn)en aus über 50 Wirtschaftsbereichen sind im SES-Register verzeichnet. Auf deren Wissen kann in Kurzprojekten zurückgegriffen werden. Weitere Rotarier sind beim SES übrigens sehr willkommen...  

Fazit
Für die Projekte Rotarys gilt der gleich hohe Qualitätsanspruch wie für Entwicklungsprojekte konkurrierender Organisationen. Das Ziel und der Anspruch, eine inhaltlich wichtige Arbeit leisten zu wollen, reicht für die Legitimation nicht mehr aus. Die Inanspruchnahme von Zuwendungen muss man stets rechtfertigen können. Viele Clubs haben bereits nachhaltige Projekte. Neben örtlichen Kontakten und dem Austausch im Distrikt gibt es auch Rotary Show Cases und die Projektbörse als webbasierte Plattformen, um Ideen zu finden.


Informationen:
Fragen zu „4L“ und „Sprache verbindet“ an: RDG-Büro, Frau Andrea Tischmann,

andrea.tischmann@rdgduesseldorf.de

Fragen zu Fördermöglichkeiten durch das Bundesministerium für wirtschaft­liche Zusammenarbeit und Entwicklung an: Frau Yvonne Heimerdinger, yvonne.heimerdinger@rdgduesseldorf.de.

Links:
www.ses-bonn.de
www.sprache-verbindet.de