Josef Penninger, RC Wien-West - Geglückte Heimkehr

Josef Penninger mit einer Mit­arbeiterin im Institut für Molekulare Biotechnologie in Wien © Privat

16.04.2015

Josef Penninger, RC Wien-West 

Geglückte Heimkehr

Heinrich Marchetti-Venier

Josef Penninger ist Weltspitzen-Forscher, unkonventionell und höchst dotiert, angetrieben von seinen Visionen.

Wien war schon vor hundert Jahren eine Weltstadt der Wissenschaft. „Da müssen wir wieder hin“, ist die Überzeugung des Josef Penninger. Er ist Visionär und glaubt, dass Österreich am besten Weg ist, wissenschaftlich erneut Weltspitze zu werden. Gerade einmal zehn Jahre nach der Promotion zählte er zu den weltweit anerkanntesten und wichtigsten Forschern in seinem Fach als Biomediziner. 2003 kehrte er Kanada als Topforscher den Rücken, um mit kaum 40 das Spitzenangebot aus Wien, die Leitung des neuen Institutes für Molekulare Biotechnologie im Vienna Biocenter, zu übernehmen. Neue Therapien gegen Krebs und seltene Krankheiten sowie der Einsatz von Stammzellen wurden unter anderem zu seinen Schwerpunkten.

Was einen Forscher ausmacht
Als Erster seiner Familie ging er an die Universität und hatte mit 17 Jahren die Eingebung, nicht wie vom Berufsberater vorgedacht Maschinenbau, sondern in Innsbruck Medizin zu studieren. Für ihn war klar, Österreich sofort mit seinem beim Rot. Georg Wick gemachten Doktortitel über den großen Teich zu verlassen und dort zu arbeiten, wo medizinische Forschung mit wirtschaftlicher Vernetzung bessere Aussichten genießt.

„Das gut tun, was man gerne macht!“ ist Penningers Credo an Lernende und Studierende. Rezepte zum Erfolg sind individuell, aber er selbst denkt, dass Intelligenz, Kreativität und Experimentierfreudigkeit, Glück und Eifer, Cleverness, Neugier und Dickköpfigkeit, aber immer wieder Leidenschaft einen Forscher zum Großteil ausmachen.

Erfolgreicher Kampf gegen Windmühlen
Heute ist er froh, wieder in Wien zu sein. „Ich will die Wissenschaft vorantreiben, muss aber die meiste Zeit mit Administration und politischen Dingen verbringen!“ Er stellt auch fest: Kultur ist der Politik oft mehr wert als das Wissen für die Zukunft ihrer Mitbürger! „Wohin tendiert so eine Gesellschaft?“, fragt er sich. „Was mich an Österreich ärgert, ist das Zwergendenken: Das brauchen wir alles nicht, wir haben eh schon zwei, drei gute Institute.“ Kein Wunder, dass Angebote aus dem Ausland da verlockend sind, doch Penninger bleibt. Bessere Dotierung des Institutes und Preise um Preise, da­runter die höchstdotierten Österreichs, Europas oder der USA, wurden ihm zugestanden.

Visionen leben
Das Institut für Molekulare Biotechnologie ist heute das größte der Akademie der Wissenschaften, hat an die hundert Mitarbeiter; auch zwei Unternehmen baute Penninger auf. Er hat als Forscher bereits das 22. Jahrhundert vor Augen: „Kollegen aus Harvard und aus China sind sehr interessiert, mit uns zusammenzuarbeiten. Wir wollen mit unseren Teams in Wien ein internationales Stammzellzentrum errichten. Um in der Champions League bleiben zu können, ist mein Ziel für die nächsten zehn Jahre, die Größe unseres Instituts zu verdoppeln.“ Und noch eine Vison hat Penninger: „Die neue Welt wird eine der synthetischen Biologie sein, die uns ermöglicht, auf fossile Brennstoffe zu verzichten und völlig neue Industrien aufzubauen. Zudem können wir dann auch als Mediziner mit Stammzellen Organe reparieren.“


Zur Person

Josef Martin Penninger, geboren am 5. September 1964 in Gurten/ Oberösterreich.
Verheiratet mit Frau Liqun Zhang, drei Kinder: Angelica (17), Gabriel (15) und Annabelle (13)

  • 1982–88 Studium der Medizin, Kunstgeschichte und Romanistik in Innsbruck, danach Forschung und Lehraufträge unter anderem an der Harvard University (Boston/USA) und am „The Ontario Cancer Institute“ (Toronto/Kanada)
  • Seit 2003 Direktor Institut für Molekulare Biotechnologie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Wien, ab 2004 Full Professor Immunologie/Universität Toronto, Honorarprofessor Genetik/ Universität Wien und Peking Union Medical College.
  • 45 internationale Auszeichnungen, darunter National Medal of Technology des US-Präsidenten 1994, Österreicher des Jahres 2004, Ernst-Jung-Preis 2007, Innovator Award des US-Verteidigungsministeriums (7,4 Millionen US-Dollar) 2012, Wittgenstein-Preis 2014 (1,5 Millionen Euro).
  • Mitglied: Seit 2007 im RC Wien-West, seit 2002 Österreichische Akademie der Wissenschaften, seit 2004 Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina und New York Academy of Sciences, seit 2009 Academia Europaea

Erschienen in Rotary Magazin 4/2015

Heinrich Marchetti-Venier

DDr. Heinrich Marchetti-Venier wurde in Oberösterreich geboren. Nach dem Abitur nahm er ein Studium des Lehramtes sowie der Geistes- und Naturwissenschaften an den Universitäten Salzburg auf, es folgten die Stationen, Wien, München, Bochum, Turin, Strasbourg und Washington. Anfangs Tätigkeit in der Raumordnung, später als Historiker und Privat-Gutachter sowie Autor. Er hatte lange Zeit das Amt des Distriktberichters für die österreichischen Distrikte D 1910 und 1920 inne. Heinrich Marchetti-Venier starb im November 2015.

Rotary Magazin 9/2016

Rotary Magazin Heft 9/2016

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