Ingeborg Hochmair-Desoye, RC Innsbruck-Alpin - Und die Tauben werden hören und die Blinden sehen

Ingeborg Hochmair-Desoye

03.06.2011

Ingeborg Hochmair-Desoye, RC Innsbruck-Alpin

Und die Tauben werden hören und die Blinden sehen

Heinrich Marchetti-Venier

2011 CEO des 1100 Beschäftigte in 22 Ländern umfassenden Unternehmens Med-El/ Medical Electronics – The Hearing Implant Company

Es war ein Sprung ins kalte Wasser“, klassifiziert die Gehörpionierin Dipl.-Ing. Dr. Ingeborg Hochmair-Desoye ihren Einstieg in eine unglaubliche Erfolgsgeschichte. „Ich bin ein sehr zielstrebiger Mensch!“ Charmant lächelnd, mit einem Hauch von Understatement, aber imponierend erzählt sie, wie mit ihrer Erfindung, dem Med-El-Cochlea-Implantat, kein gehörloses Kind taub bleiben muss und sich auch Erwachsene wieder Gehör verschaffen oder Schwerhörigkeit bewältigen lässt. In Europa bezahlen inzwischen alle Sozialversicherungen dieses Wunderwerk, und auch Russland oder China kaufen es für ihre tauben Kinder. 1989 gründet Ingeborg Hochmair mit ihrem Mann, Univ.-Prof. Dr. Erwin Hochmair, ein Dreipersonenunternehmen, für dessen ständiges Wachstum sie heute als CEO und 1100 Mitarbeiter mit 22 Vertretungen in 90 Ländern Sorge tragen. Zehn Jahre nach der Promotion an der Wiener Universität und in Innsbruck, wohin sie mit dem an die Universität berufenen Gatten zieht, wird dieser Schritt gewagt. Schon dem Mädchen ist Märklin das erklärte höchste Spielzeuggut, und bereits in dritter Generation sind Männer wie Frauen in ihrer Familie naturwissenschaftlich ausgebildet, ja ist zu Hause Technik täglicher Gesprächsstoff. Selbst Mutter von vier Kindern zwischen 18 und 29 Jahren, hat Inge Hochmair mit ihrem Mann den Spagat zwischen Familie, Forschung und Unternehmerin geschafft.

Enttäuschend die Anfänge, als man einen amerikanischen Konzern ins Boot nahm, dessen Vernetzung einem nahezu den Atem nahm. Nach dem Scheitern baute sie Med-El konzentriert und zielstrebig in Eigenregie mit ihrem Mann zur zweitgrößten Gehörimplantat-Firma der Welt aus. Noch als Studentin ist der Elektrotechnikerin, die auch Medizin studiert, der Herzschrittmacher in seiner Konzeption Vorbild geworden. 1975 werden erste Versuche gestartet, Hörsinne zu reanimieren und 1977 das erste Implantat umgesetzt. Ab 1982 entstehen Weltpatente, welche heute an die dreißig umfassen. Auch aus dem Silicon Valley hat sich Dr. Hochmair einen Mitarbeiter ins Boot geholt, der zu einer zweiten Schiene bei Gehörverlust, der Vibrant Soundbridge 2003 beigetragen hat. Weiterentwicklungen zur Behebung von Inkontinenz oder Stimmbandlähmung sind im Laufen, künstliche Augen auch kein Zukunftstraum mehr, doch wird sie Entwicklungen im Gehörbereich weiter vorantreiben. 15 Prozent des Umsatzes werden auf interne Forschung verwandt, der Innsbrucker Standort mit 700 Beschäftigten eben stark ausgebaut.

In der ganzen Welt unterwegs, auf Kongressen überzeugt Inge Hochmair mit ihrer Sendung, die Sinne zu aktivieren, und besorgt Aufträge. Über 700 Kliniken in 75 Ländern implantieren ihre Produkte. Frau des Jahres 1995, mit internationalen Preisen wie 1996 der Exner-Medaille belohnt, stellt sie 2011 Weichen in der Wirtschaft wie durch ihre Beteiligung an der neuen Innsbrucker Bio-Wertpapierbörse, durch Mitarbeit im Österreichischen Forschungsrat sowie Einsätze an den Universitäten Innsbruck und München, welche sie mit zwei Ehrendoktoraten auszeichnen. Mit den Universitätskliniken auch in Wien oder Frankfurt verbindet Hochmair eine langjährige Entwicklungspartnerschaft. Es ist eine der markantesten Allianzen zwischen Spitzenmedizin und Spitzentechnik. Sie bedauert sehr, dass zu wenig Technik studiert und der Eintritt in die Selbstständigkeit gewagt wird, will einiges dabei bewegen, wie ein Netzwerk junger Medizintechnikfirmen stärken und damit global in hochspezialisierten Nischen österreichische Spitzenleistungen erbringen sehen.
Vom RC Wien-Ring bereits 1983 mit dem „Leonard da Vinci“, einem Europa-Rotary-Preis für Wissenschaft, ausgezeichnet, wird diese Verbindung 2003 im ersten Tiroler Club Innsbruck-Alpin mit Frauen durch ihre Bereitschaft, Gründungsmitglied zu werden, besiegelt. Jugend zu fördern, ist ihr dabei und überhaupt eine Selbstverständlichkeit. Zuletzt Mikroskope den Wiltener Sängerknaben für ein Afrika-Projekt zu spenden, gehört dazu wie ein spannendes Auslandsprojekt: in einer Provinz Indiens mit dem SOS-Kinderdorf gehörlose Kinder ausfindig machen. In Österreich ist der bisherige Test von Neugeborenen nach Gehörschäden leider dem Sparstift zum Opfer gefallen. Nach rotarischem Einsatz dafür gefragt, meint sie: „Gerade die Früherkennung von Taubheit ist nicht teuer, muss erkannt werden und ist dann mit einem Implantat heilbar“. Also scheint uns mit ihr ein weites Feld von rotarischen Projekten auf der Welt geöffnet zu sein.
Heinrich Marchetti-Venier

Erschienen in Rotary Magazin 5/2011

Heinrich Marchetti-Venier

DDr. Heinrich Marchetti-Venier wurde in Oberösterreich geboren. Nach dem Abitur nahm er ein Studium des Lehramtes sowie der Geistes- und Naturwissenschaften an den Universitäten Salzburg auf, es folgten die Stationen, Wien, München, Bochum, Turin, Strasbourg und Washington. Anfangs Tätigkeit in der Raumordnung, später als Historiker und Privat-Gutachter sowie Autor. Er hatte lange Zeit das Amt des Distriktberichters für die österreichischen Distrikte D 1910 und 1920 inne. Heinrich Marchetti-Venier starb im November 2015.

Rotary Magazin 12/2016

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