RI-Convention - Hauptstadt der Freundlichkeit

Abendstimmung in Toronto © Alyce Henson/Rotary International

01.02.2018

RI-Convention

Hauptstadt der Freundlichkeit

Anne Klesse

Der Austragungsort der nächsten RI-Convention ist vielfältig und bunt. Es lohnt sich, ein paar Tage dranzuhängen und die Stadt wie auch deren Umgebung zu erkunden.

Während hierzulande  Schlagworte wie „Willkommenskultur“ und „Multikulti“ für manche naives Hippievokabular zu sein scheinen, ist Kanada in diesem Punkt über jeden Zweifel ­erhaben. Hier wird, im Gegenteil, mit der Vielfältigkeit der Gesellschaft und dem einzigartigen „welcome spirit“ ausdrücklich und überall geworben.

Kanadier sind offen, höflich, hilfsbereit und jederzeit für eine kurze Konversation zu haben, selbst an der Supermarktkasse. Ortsfremden, die mit einem Stadtplan an der Straßenecke stehen, wird ungefragt Hilfe bei der Orientierung angeboten. In Coffeeshops ist es ganz normal, zum eigenen noch einen „suspended coffee“ dazuzukaufen – der dann auf einer Liste notiert und einem Bedürftigen serviert wird. Den Fahrern im öffentlichen Nahverkehr wird Respekt gezollt – beim Aussteigen bedanken sich Passagiere beim Busfahrer und wünschen eine gute Weiterfahrt.

Multikulturalismus wird gefördert
Die Multikulturalität Kanadas hat einerseits historische Gründe. Außer den Ureinwohnern der First Nations, den Inuit und den Métis prägen die Bevölkerung heute Anglo- und Frankokanadier als Nachkommen der Gründernationen Frankreich und England sowie später eingewanderte europäische, asiatische, afrikanische und lateinamerikanische Minderheiten. Und so leben mittlerweile mehr als 200 ethnische Gruppen in dem noch recht jungen nordamerikanischen Staat, der 1982 den „Multikulturalismus“ sogar in seiner Verfassung verankerte und explizit die gleichberechtigte Teilhabe an der kanadischen Gesellschaft von Menschen jeglicher Herkunft fördert.

Heute hat Kanada, gemessen an der Einwohnerzahl von rund 36 Millionen Menschen, im Vergleich mit anderen Flächenstaaten eine der höchsten Einwanderungsraten der Welt. In dem großen, weiten Land zieht es die meisten Menschen, wie überall auf der Welt, vor allem in die Metropolregionen. In Kanada ist man stolz auf die Vielfältigkeit der Bevölkerung, die Regierung wirbt bei Touristen wie auch Investoren aus aller Welt mit dem Versprechen einer multikulturellen Gesellschaft, sauberen und freundlichen Städten und dem zweithöchsten Lebensstandard innerhalb der G20-Staaten.

140 Neighbourhoods
Besonders sichtbar wird dieses Versprechen in der größten Stadt Kanadas, Toron­to – vom 23. bis 27. Juni 2018 Austragungsort der Rotary International Convention. Fast die Hälfte der 2,8 Millionen Torontonianer (die Metropolregion zählt sogar rund sechs Millionen Einwohner) ist nicht in Kanada geboren. Im Stadtbild spiegelt sich das auch in den rund 140 verschiedenen „Neighbourhoods“, in Chinatown, Little Italy, Little Portugal, Greektown oder Koreatown wider. Essen verbindet – und so international die Einwohner und Besucher, so abwechslungsreich ist auch das kulinarische Angebot.

Fast- oder Street-Food ist beliebt: Außer der in Kanada nach wie vor populären „Poutine“ – eine gewöhnungsbedürftige Mischung aus Pommes frites, Käse und Bratensauce – bieten an jeder Ecke Burgerläden, japanische Ramen-Küchen, indische Curryrestaurants und Hot-Dog-Stände ihre Spezialitäten an. Auch im unterirdischen „Path“, einem 27 Kilometer langen Fußgängertunnelsystem, der Bahnstationen, Hotels und Geschäftshäuser in Toronto Downtown verbindet und das Leben im extrem kalten Winter erheblich vereinfacht, gibt es unter den 1200 Shops viele unterirdische Cafés und Imbisse.

Die gehobene Gastronomie in Toronto kann sich ebenso sehen lassen. Nicht nur bei Touristen sind vor allem Restaurants mit Ausblick wie die Roof Lounge im Park Hyatt Hotel, das „Canoe“ im 54. Stock des TD Bank Tower, das „One Eighty“ mit Terrasse im 51. Stock des Manulife Centres oder das „360“ im CN Tower beliebt. Ohne spektakulären Ausblick, dafür mit kreativem chinesischen Fusion-Food lässt sich im „Luckee“ speisen, einem Restaurant mit fancy Bar von dem in Kanada bekannten Fernsehkoch Susur Lee am Rande des Entertainment Districts.

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„Ort der Zusammenkünfte“ nannten die Ureinwohner einst ihre Stadt. Wie passend: Mehr als 2,3 Millionen Messe- und Tagungsbesucher sind jedes Jahr zu Gast in Toronto. Ottawa ist zwar die Hauptstadt Kanadas, Toronto aber, nicht zuletzt wegen des direkten Zugangs zum St. Lawrence-Seeweg, über die Jahre zum wirtschaftlichen Herzen des Landes gewachsen.

Toronto als Finanzzentrum
Laut Tourism Toronto, dem offiziellen Marketingportal der Stadt, ist Toronto das zweitgrößte Finanzzentrum Nordamerikas und eines der „Top Ten“ weltweit. Ein Drittel der arbeitenden Bevölkerung hat einen Universitätsabschluss. Hauptgeschäftsfelder sind neben dem Finanzwesen die Biowissenschaften sowie Informations- und Kommunikationstechnologie. Eine große Rolle spielen außerdem die Kreativwirtschaft, Cleantech und grüne Energie, aber auch Film und Fernsehen.

Stolze zwei Milliarden Dollar im Jahr investieren Filmproduktionsfirmen aktuell für Dreharbeiten in der Stadt.
Hier wurden Szenen für Hollywood-Blockbuster wie „Red“ mit Bruce Willis oder „Chicago“ mit Richard Gere gedreht. Filmcrews bei der Arbeit zuschauen zu können ist in Toronto nichts Ungewöhnliches. Straßensperrungen sind hier nicht so teuer und aufwendig wie in den US-Metropolen – Wolkenkratzer und beeindruckende Gebäude weltbekannter Architekten wie Frank Gehry, Daniel Libeskind, Norman Foster und Ludwig Mies van der Rohe gibt es aber auch hier. Manche Straßenschlucht könnte mitten in Manhattan liegen.

Hollywood des Nordens
Und so hat sich Toronto über die Jahre klammheimlich zum „Hollywood des Nordens“ gemausert. Das Toronto International Film Festival (TIFF) gilt mit einer halben Million Zuschauern und 5000 Branchenvertretern aus aller Welt mittlerweile als eines der wichtigsten überhaupt. Jedes Jahr im Herbst versetzt der Schaulauf internationaler Leinwandhelden die ganze Stadt in Aufregung. Filme, die hier gut ankommen, gelten als Anwärter auf einen Oscar. Auch die Anwaltsserie „Suits“, die in New York City spielt, wurde in Toronto gedreht. US-Schauspielerin Meghan Markle war bis vor Kurzem Mitglied der Crew – nun ist sie von Kanada nach London gezogen und heiratet Prinz Harry von Wales. Weil Kanada zum Commonwealth gehört und Queen Elizabeth offizielles Staatsoberhaupt ist, gibt es auch hier eine gewisse „Meghan-Euphorie“. Mittlerweile bieten gewiefte Stadtführer Rundfahrten zu den ehemaligen Wirkungsstätten der Bald-Prinzessin an.

Ausflugsziele in und um Toronto
Beliebter Drehort ist der Distillery District. Die ehemals größte Whiskeybrennerei der Welt produziert zwar heute nicht mehr in Toronto – 1930 hatten die Stiefbrüder William Gooderham und James Worts ihre Brennerei gegründet. Nach dem Verkauf an einen britischen Konzern wurde der Betrieb 1990 geschlossen und das 52.000 Quadratmeter große Areal mit seinen 40 Backsteinbauten komplett restauriert. Heute beherbergen die sehenswerten viktorianischen Industriegebäude des Distillery Districts Lokale, Geschäfte, Ateliers und kleine Galerien und dienten schon mehr als 800 Film- und Fernsehproduktionen, darunter „X-Men“, als Drehort.

Während für Europäer, die schon mal Schlösser und Burgen in der Heimat besichtigt haben, das Herrenhaus Casa Loma, eine der meistbesuchten Touristenattraktionen Torontos, als Ausflugsziel eher enttäuschend ist, lohnen die anderthalb Stunden Autofahrt zu den Niagara-Fällen. Die Wasserfälle des Niagara-Flusses stürzen an der Grenze zum US-amerikanischen Bundesstaat New York bis zu 57 Meter in die Tiefe – ein gigantisches Naturschauspiel. Die angrenzende Stadt Niagara Falls hingegen kann man sich schenken und stattdessen lieber auf dem Rückweg nach Toronto in einem der nahe gelegenen Weingüter Halt machen.

Das Convention Centre
Auch die Hauptveranstaltungsorte der RI Convention, der mit 190.000 Quadratmetern größte Tagungsort Kanadas, das Metro Toronto Convention Centre, und das rund 62.000 Quadratmeter große Air ­Canada Centre, in dem sonst vor allem Hockey, Basketball und Lacrosse gespielt wird, liegen zentral in direkter Nachbarschaft des bei Touristen beliebten CN-­Towers und des Hauptbahnhofs sowie in Fußnähe der Markthalle St. Lawrence Market.

Nur wenige Schritte sind es zur neu gestalteten Harbourfront mit seinen hübschen Bootsanlegern, Parkflächen, Cafés und Restaurants direkt am Ufer des Ontariosees. Die Toronto Islands, die erst seit einer schweren Sturmflut im Jahr 1858 vom Festland getrennt und insgesamt nicht einmal zweieinhalb Quadratkilometer groß sind, lohnen ebenfalls einen Besuch (Mutige paddeln im Kajak selbst, für alle anderen setzen regelmäßig Fähren über). Im Zentrum der Insel ist in den Sommermonaten ein Vergnügungspark mit Kinder­eisenbahn, kleinen Brücken und Ententeich auch bei den Torontonianern beliebtes Wochenendziel. In dem kleinen Naturidyll gibt es Yachtclubs und Strände, ein paar Wohnhäuser – jedoch keine Autos.

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Vom CN-Tower erhalten Besucher eine einmalige Aussicht über die Stadt. ©  Alyce Henson/Rotary International


Cooler Kensington Market
Im Nordwesten der Insel liegt Torontos Regionalflughafen „Billy Bishop Toronto City Airport“. Von hier aus kann man unkompliziert und relativ preisgünstig zum Beispiel für einen Kurztrip nach New York City fliegen (Newark, ca. 1,5 Stunden) oder nach Montreal in die ostkanadische Provinz Québec (ca. 1 Stunde und 10 Minuten), die aus dem ehemaligen Neufrankreich hervorging. Obwohl in Kanada sowohl Englisch als auch Französisch seit 1969 Amtssprachen sind, ist die ausschließliche Amtssprache der Provinz Québec das Französische. In Toronto lässt sich diese europäische Prägung in Kensington Market, einem überschaubaren, denkmalgeschützten Quartier, das einst vor allem Aussteiger und Künstler anzog und mittlerweile beliebtes Wohn- und Ausgehviertel ist, erleben.

Hier kann man sich herrlich den ganzen Tag über den Bauch vollschlagen und durch die Trödel-, Deko- und Souvenir­geschäfte bummeln. Die europäisch, karibisch, lateinamerikanisch, afrikanisch und vom Nahen Osten inspirierten Straßenzüge gelten als der coolste Streetmarket in ganz Nordamerika. Auch hier zeigen sich die kanadische Willkommenskultur und der Multikulti-Spirit in ihrer sympathischsten Form.


 Reiseinfos

Werner Aebi (RC Emmental/Schweiz) bietet im Rahmen der Convention eine Gruppenreise nach Toronto an. Abflüge auch ab Deutschland und Österreich möglich

Anmeldung und Infos: aebi-travel.ch, riconvention.org

Erschienen in Rotary Magazin 2/2018

Anne Klesse
Anne Klesse war viele Jahre lang Redakteurin der Welt-Gruppe (Die Welt, Welt am Sonntag, Welt Kompakt, Berliner Morgenpost) in Berlin und arbeitet seit 2015 freiberuflich als Journalistin für Print und Online. Für das Rotary Magazin führt sie unter anderem regelmäßig Entscheider-Interviews. www.anneklesse.de

Rotary Magazin 2/2018

Rotary Magazin Heft 2/2018

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